Raster- und Design-Philosophie

Was meine Wurzeln sind all about. Absatz aus der Einleitung zum Buch "Rastersysteme für die visuelle Gestaltung".

Ein Handbuch für Grafiker, Typografen und, Ausstellungsgestalter und Webdesigner von Josef Müller-Brockmann, 1981.

Der Gebrauch des Rasters als Ordnungssystem ist Ausdruck einer bestimmten Haltung, indem der Designer seine arbeit in konstruktiver und zukunftsorientierter Weise auffasst. Dies ist Ausdruck eines Berufsethos: die arbeit es Designers soll auf mathematischer Denkweise, klar, transparent, sachlich, funktionell und ästhetisch sein. Die arbeit soll damit ein Beitrag an die allgemeine Kultur, sie soll selbst ein Teil der Kultur sein. Durch eine konstruktive, analysierbare und nachvollziehbare Gestaltung können der Geschmack der Gesellschaft, die Form- und Farbkultur einer Zeit beeinflusst und gehoben werden. In der sachlichen, dem Allgemeinwohl verpflichteten, gut komponierten und kultivierten Gestaltung liegen die Voraussetzungen für demokratisches Verhalten. Die konstruktivistische Gestaltung bedeutet Umsetzung gestalterischer Gesetze in praktische Lösungen. In strenger formaler und systematischer Arbeit sind die Forderungen nach Offenheit, Transparenz und Verflechtung aller Faktoren, die auch im politischen Leben der Gesellschaft von erstrangiger Bedeutung sind, enthalten. Mit dem Rastersystem arbeiten bedeutet, sich universell gültigen Gesetzen unterzuordnen. Die Anwendung des Rastersystems versteht sich als Jede visuelle, kreative Arbeit ist eine Manifestation des Charakters des Gestalters. In ihr schlägt sich sein Wissen, Können und seine Gesinnung nieder.


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2009-12-04

Comments

 

ben_
2009-12-04

 

Ich bin immer wieder erstaunt, wie stark sich Designer scheinbar selber in einem Rechtfertigungsdruck sehen, mit Raster zu arbeiten. Als gäbe es keine jahrhunderte alte Kulturtradition auf der sich auf die Arbeit mit dem Raster stützt. Ich empfehle hier dringend die Lektüre von "Zahl, Maß und Proportion in der abendländischen Baukunst.", was nichts anderes ist als ein historischer Rückblick auf die Verwendungsgeschichte von Rastern in der Architektur. Raster sind dort zu jeder Zeit soviel mehr gewesen als nur die Unterordnung unter "universell gültigen Gesetze" und Ausdruck eines Berufethos. Raster sind mehr als Werkzeuge. Sie sind Ausdruck und Spiegel unserer Überzeugungen und unseres Glaubens. Sie sind die Erzählungen der Graphiker.

ben_
2009-12-04

 
 

Konstantin
2009-12-04

 

@ben_: danke für den buchtipp! zu deinem kommentar: ich hab den oben zitierten text einfach als eine zusammenfassung des schon bestehenden verstanden. klar bezieht er vor allem auf die 20er, 30er jahre des 20ten jhds, aber auch auf alles, was davor war.

rechtfertigungsdruck - klar. immer noch, noch viel mehr jetzt als früher. so lange es "fingernagel-design" als titel geben wird.

Konstantin
2009-12-04

 
 

Konstantin
2009-12-04

 

@ben_: zum buch: leider gibt's das buch nicht mehr neu zu kaufen. ich werde es mir irgendwo ausleihen müssen, wenn ich nicht antiquariats-preise zw. 50 und 260 euro zahlen will :-)

Konstantin
2009-12-04

 
 

ben_
2009-12-05

 

Ich kenne da wen, der das im Bücherregal stehen hat. ;)

ben_
2009-12-05

 
 

Konstantin
2009-12-09

 

hab mir das buch dann doch gebraucht gekauft. ist gerade angekommen.
ich liebe es, wenn bücher zur hand sind. und wenn ich darin arbeiten kann. daher leihe ich nur noch sehr selten welche.
trotzdem danke für das angebot :-)

Konstantin
2009-12-09

 

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