das wesen von facebook

ben fragt drüben, was der unterschied zwischen aol und facebook sei.

aol ist gescheitert, facebook scheint zu florieren. beides seien portale (nach ben). was ist der unterschied? eine gute diskussion entstand.

meine meinung: der unterschied könnte kaum größer sein. facebook verbindet mensch mit mensch, es beherzigt das mitmach-web. aol war das sende-web, wo der mensch empfänger war.

was facebook ausmacht

  • facebook stellt den stamm (tribe) an erste stelle: mich interessieren menschen rund um meinen stamm. facebook ist eine plattform, die mensch mit mensch verbindet. es ist eine plattform, kein verlag. kein sender.
  • facebook ermöglicht user generated content: mich interessiert in erster linie, was mein stamm sagt. mich interessiert wenig, was andere außerhalb sagen. und wenn, dann sind es quellen, die ich selbst aussuche. facebook produziert keinen content, aol tat es. das war aols größter fehler. noch genauer verhält sich facebook zu nachrichten so: ich wähle selbst, nachrichten von außen angeht (pull, durch gruppen/seiten-zugehörigkeit). mir wird per defauls gesagt, was mein stamm macht (push, durch freunde-verbindung).
  • facebook ermöglicht graduelles mitmachen. auf mensch-mensch-ebene: mögen -> kommentieren -> status posten -> foto posten. auf mensch-gruppe-ebene: einer gruppe beitreten -> in gruppe kommentieren -> gruppe aufmachen/moderieren. hier ist für so ziemlich alle community-nutzertypen was dabei.
  • facebook ermöglicht das darstellen des ego: sein profil zu pflegen, sich durch gruppen zu identifizieren/"branden" usw. ist eines der kernfeatures.
  • facebook ist reallife. facebook basiert auf realen beziehungen. aol versuchte, in den community/chatbereichen neue, virtuelle beziehungen aufrechtzuerhalten.
  • facebook ist integrativ. aller inhalt aus dem rest des webs wird einverleibt durch referenzierung. nicht durch duplizieren. man muss nicht alles auf facebook abbilden (z.b. videos), aber auf facebook erreicht man seinen stamm, also verweist man innerhalb von facebook auf außen-"quellen".
  • facebook hinterlässt den eindruck von vertrautheit. nachrichten, die ich schreibe, scheinen in meinem stamm zu bleiben. das gilt für das große web nicht. das galt auch nur begrenzt für chatrooms in aol. dabei ist facebook selbst sehr undurchsichtig für den einfachen nutzer. aber der eindruck entsteht.

facebooks errungenschaft: digitale stamm-kommunikation

alles in allem würde ich nicht auf die idee kommen, facebook als "portal" zu bezeichnen. es ist ein soziales netzwerk, mit all seinen eigenschaften. wir sind irgendwo immer noch eine horde halbaffen, die sich aneinander reibt. und facebook ist die digitale abbildung dieser stamm-kommunikation.

UPDATE: ich habe das wort "feiert" durch "ermöglicht" ersetzt. das kommt dem, was ich sagen will, doch näher (im sinne von "enable" und "embrace").


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2010-04-05

(cc-by-sa) since 2005 by Konstantin Weiss.