Prinzipien für das Web unserer Kinder

2011-12-11

Welches Netz wünsche ich mir und unseren Kindern?

Offenheit

Ich möchte freie Wahl des Zugangs zum Netz. Ich möchte offene Speicher und Datenformate. Ich möchte offene Maschinen und Schnittstellen. Ich möchte offengelegtes Knowhow über all das. So dass Kinder alles lernen können von Kindes an. (Wie) Lesen und Schreiben.

Dezentralität

Es soll nicht abhängen von einigen wenigen. Ich möchte, dass Daten fliessen und dass Jeder sich dafür entscheiden kann, welche Dienste er dafür benutzt. Ich möchte, dass man nicht abhängig ist von einem Anbieter oder Knoten oder Service oder einer Firma oder Institution. Und wie das Internet konzipiert ist, nämlich dass ein Knoten ausfallen kann, ohne dass das Internet insgesamt davon beeinträchtigt wird, so möchte ich auch dass es mit der Kommunikation im Web ist. Keine Abhängigkeit von einem oder wenigen Social Network Anbietern. Keine Abhängigkeit von einem oder wenigen grossen Daten-Aggregatoren und Filterern (z.B. Suchmaschinen). Dazu gehört auch die freie Wahl des Zugangs zum Netz.

Content-Ownership

Eine Sache, die ich in all den Digital-, Online-Jahren gelernt habe, ist: Daten in Silos werden früher oder Später zu einem Problem. Es sei denn, dieser Content ist irrelevant, was auch häufig genug der Fall ist. Nicht selten kann man das erst mit den Jahren beurteilen. Aber gesetz dem Fall, dass man den Content wirklich schätzt, sollte man die so offen wie möglich aufbewahren. Bis heute fällt mir dafür nichts besseres ein als Dateien. Viele halten das Dateisystem inzwischen für überholt, insbesondere aus Nutzersicht. Dateien haben jedoch den Vorteil, dass sie programmunabhängig sind. Einigt man auf einen offenen Standard/Format, in dem die Daten in der Datei gespeichert ist, so kann eine Software auch im Nachhinein dafür geschrieben werden, diese Daten auszulesen und zu manipulieren.

Reparierbarkeit

Ich möchte, dass ich selbst, oder unsere Kinder, das Netz reparieren können. Ich möchte, dass sie die Maschinen, die sie benutzen, auch öffnen und anpassen können. Dass sie selbst Maschinen schreiben, die mit anderen Maschinen und (offenen) fremden Daten kompatibel sind.

Kompatibilität

Ich möchte, dass es (weiterhin) Standards gibt. Der Datenspeicherung. Der Protokolle und APIs zwischen den Maschinen.

Austauschbarkeit

Aus Dezentralität, Offenheit und Kompatibilität geht hervor, dass ich einen Speicher, eine Maschine und Daten austauschen kann. Ich kann von Dienst A zu Dienst B wechseln. Und ich kann selbst Dienst C erstellen.

Menschenfreundlichkeit

Ich möchte, dass die Maschinen, und insbesondere die Daten und Datenströme, von Menschen lesbar und verständlich sind. Und zwar nicht nur von Experten. Ich möchte, dass ein Kind und ein Erwachsener, der eine E-Mail lesen und schreiben kann, auch seine Website lesen und schreiben kann. Und zwar ohne, dass sie durch x Prozesse geschleift werden und man nicht weiss, wo und wie sie jetzt eigentlich gespeichert sind. Ich möchte, dass auch die Maschinen so verständlich sind, dass man sie verstehen kann. Ein Laie, nicht ein Profi-Programmierer. Selbst wenn man selbst so etwas nicht herstellen kann, doch zumindest sowohl das Prinzip als auch die Ausführung. Das Beispiel hinkt, trotzdem: Auch wenn ich ein Messer nicht herstellen kann, sehe ich, wie es schneidet, und was "schneiden" ist.

(cc-by-sa) since 2005 by Konstantin Weiss.