über die diskrepanz von meiner und wirtschaftlicher wirklichkeit

2009-08-12

gerade höre ich musik. vorhin unterhielt ich mich mit thomas darüber, welche musik ich höre, und welche er hört. ich schickte ihm den link zu lagrimas negras zu. sowas höre ich, sagte ich. dabei höre ich das gar nicht so oft.

was ist wichtig? was zählt? was ich denke was für mich wichtig ist? oder was ich wirklich oft benutze?

wie diese familien, die von sich behaupten, sie würden französische, italienische und asiatische küche lieben und leben. und beobachtungen von marktforschungsinstituten zeigen dann, dass sie richtig fettig deutsch bockwurst mit kartoffelpüree essen.

wenn ich sage, für mich sind diese musikstücke wichtig, und ich sie aber gar nicht so oft höre? manchmal sind es stücke, von denen ich denke ich kriege ansehen, wenn ich erzähle, ich würde sie hören. aber oft sind es auch stücke, die mir einfach wichtig sind, aber die ich nur bei bestimmten launen / gelegenheiten hören kann. wie autechre zum beispiel. trotzdem sind sie für mich essenziell. dann sag ich: dieses stück ist wichtig. und statistik sagt: du hörst es kaum. also unwichtig. wer hat recht?

die wirtschaft sagt: statistik hat recht. denn ob ich sage "diese schokolade ist mir wichtig und ich genieße sie" ist eine sache. wirtschaft überlebt aber, weil ich die schokolade konsumiere. immer wieder konsumiere. und wenn ich nur davon rede, dass ich sie konsumiere, ich tue es aber selten, dann hat das hersteller-unternehmen nichts davon. wenn ich dagegen alltägliche sachen in mich reinschiebe, ohne dass ich es überhaupt bemerke, geschweige denn davon zu schwärmen, dann geht's den unternehmen prächtig.

haben also die werte eines unternehmens, diese grundsätze, nichts mit meiner vorstellung von ethik zu tun? und doch teilen wir uns diese eine welt.

(cc-by-sa) since 2005 by Konstantin Weiss.