Die Sehnsucht nach Produktivität

2010-11-06

Früher haben wir einen Job gelernt und konnten ihn dann ausüben. Heute verbringe ich zwei Tage die Woche damit, mich in neue Gesetze und Richtlinien einzulesen. Das ist das Minimum, um überhaupt noch auf dem neuesten Stand zu sein. Zwei Tage Frust. Nach bereits drei Stunden werde ich kirre. Im Hinterkopf pocht die Forderung, produktiv zu sein. Ich will am Ende des Tages das Gefühl haben etwas geschafft zu haben. Etwas abrechnen zu können.

Sie ist Steuerberaterin und schätzungsweise um die 60. Sie sehnt sich nach Ruhe. Ich kann sie verstehen. Sie ist mit den Werten aufgewachsen, ständig Mehrwert zu schaffen. Und ja, wir sind anders erzogen worden. Ich stellte mir trotzdem die Frage: werde ich mich mit 60 noch in neue Technologien einarbeiten wollen?

Oder mit ben_s Worten zu seinem Blogsystem:

Ich bereite mich vor, auf mein zukünftiges Ich, das keine Lust mehr hat etwas zu programmieren. Ich bereite mich vor, auf den Momente, an dem ich nicht länger gewillt bin, meine (meine, meine, meine!) Daten einem komplexen [Content|Musik] Managente System anzuvertrauen. Und ich vermute, dass ich zu jenem Moment auch nicht mehr die geringste Lust habe, nur ein Modul zu installieren, nur eine Zeile Code zu schreiben.

(cc-by-sa) since 2005 by Konstantin Weiss.