von push zu pull

es ist nicht wichtig, wer mir zuhört. es ist wichtig, wem ich zuhöre. es ist nicht wichtig, wer meinen output bekommt. es gibt keine privatsphäre mehr. es ist wichtig, dass ich darüber bestimmen kann, was mein input ist.

früher war es genau anders herum. der input war für alle gleich. man konnte nicht recht filtern in den massenmedien. man hatte input-mangel. jetzt muss man sich vor dem input-overflow schützen. früher hatte man den output eingeschränkt. das nannte man privatsphäre. jetzt ist es unwichtig geworden. ist es? sei das mal als these dahingestellt.

die entscheidung darüber, welche inputquellen man will, ist die entscheidung darüber, in welche richtung sich die gedanken entwickeln. ist die entscheidung, welche werte man - durch rezepierte geschichten - übernimmt.

bestimmung vom input --> bestimmung von programmierung von sich selbst

eine der variablen - input oder output - muss frei verfügbar sein. wenn output nicht frei verfügbar ist, kann ich mir input nicht frei aussuchen. folglich muss die privatsphäre fallen, also alle schranken des output, damit ich meinen input komplett frei aussuchen kann. - ist das so?

seinen input bestimmen - ist das freiheit? sich selbst aussuchen zu können, wer einen programmiert - ist das freiheit? wenn das so ist, ist das fallen der privatsphäre die grundlage für diese freiheit. das heisst: in dem wir diferenzieren, wer welchen unseres outputs kennen soll, in dem wir inklusion und exklusion betreiben, verhindern wir diese freiheit. mit privatsphäre - keine freiheit.

bedenken: nicht jeder gibt seine privatsphäre auf. menschen, die an der macht sind, filtern ihren output bzw. verhindern den größten teil des outputs. somit sind sie unangreifbar. teile und herrsche: teile, wer welchen output kriegt, und herrsche darüber, wer welche "erpressungs-" macht über dich hat. - ist das so?

wie kommt bens theorie über den unkapitalismus des netzes da rein? in dem ich meinen output kontrolliere, herrsche ich darüber. aber: output in digitalform kann repliziert werden. mit anderen worten: man kann keine kontrolle über ihn haben. nennen wir das grundsatz (1). folglich kann man nicht kontrollieren, was mit digitalisiertem output geschieht. dann kommt noch der grundsatz hinzu "alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert werden". das bedeutet, dass jegliches output digitalisiert wird. verbindet man grundsatz (1) und grundsatz (2), dann folgt daraus, dass die privatsphäre wegfällt, dass man den output nicht kontrollieren kann. also ist die voraussetzung geschaffen für die "freiheit".


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2008-09-27

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