Der Krieg um die digitale Welt

Apple. Facebook. Google. Amazon. Microsoft. Sie sind im Krieg. Und wir Nutzer sind mittendrin. Das sei hier mal festgehalten.

Die Menschen des Westens sind im Netz angekommen, jeder auf seine Weise. Den grossen Playern geht es nicht mehr darum, neue Märkte zu erschliessen. Es geht um Nutzer-Verteilung. Um Territorium.

Wo finden die Schlachten statt?

Social

Facebook, Google, Microsoft, Amazon

Sein Leben teilen die meisten per Facebook. Dort kommen tonnenweise Fotos und Videos rein, geschweige denn Statusmeldungen und Links. Es wird alles kommentiert und geliked. Einen Weg der Informationen aus Facebook raus gibt es nicht. Twitter macht sich selbst irrelevant durch die neuen API-Bedingungen. Google hat mit Plus einen Feldzug gegen Facebook gestartet - vergeblich. Facebook ist und bleibt der Platzhirsch. Menschen gehen eben dahin, wo andere Menschen sich schon aufhalten. Zukäufe wie Instagram sind das i-Tüpfelchen. Microsoft hat mit der Übernahme von Skype plötzlich einen Fuss in der Tür der Peer-to-peer-Kommunikation. Spannend, was die daraus machen, und besorgniserregend. Amazon konzentriert sich auf produktbezogene Community-Aktivitäten, und sie tun gut daran. Andere social Features schleichen sich ein, wie z.B. social Bookmarking und Auszeichnungen in Kindle-Büchern.

Mobile Hardware

Apple, Google, Microsoft, Facebook, Amazon

Apples Platzhirsch iPhone gegen Samsung als Präzidenzfall für Googles Android-Geräte - das ging bis vor's Gericht und um Milliardenhöhe. Mobilgeräte sind die Plattformen für die Player. Wer die Plattform beherrscht, beherrscht die Personalisierung. Nutzer-Accounts, Standard-Apps insbesondere für Adressbuch, Kalender, E-Mail, Social Dienste. Facebook soll über eigene Hardware nachdenken. Google kauft Motorola. Microsoft kommt mit seinem eigenen Tablet raus und verbündet sich mit Nokia für sein Mobile-Betriebssystem. Amazon kommt mit einer eigenen Strategie, baut seine eigenen Geräte und verkauft sie für den Herstellungspreis, um sich hinterher durch Content-Käufe zu finanzieren. Amazon ist bis Dato die einzig interessante Alternative zu Apples Tablet, während Android mächtig aufholt. Android gewinnt Boden durch den Preis: viele Teenager können sich Apple nicht leisten und kaufen sich Smartphones zu Dumpingpreisen. Gut möglich, dass mit Android vs. Apple das passiert, was früher mit Microsoft vs. Apple passiert ist. Masse ist Macht.

OS

Apple zieht mit ihren App Stores ein Imperium an kontrollierter, diktatorisch regierter Betriebssysteme auf. Herausragende, bewährte Software wird nachgebaut und zu Dumpingpreisen angeboten, was den gesamten App-Markt auf Niedriglohnniveau hält. Googles Android ist offener, aber auch da kontrolliert Google dadurch, dass sie von Version zu Version grosse Änderungen machen und diese je nach Vertrag früher oder später mitteilen. Microsoft ist der dritte Gigant mit seinem Windows Mobile und dem hippen Kachel-Interface. Dieses Betriebssystem hat noch Kinderkrankheiten, aber durchaus Potential. Amazon hat mit Kindle eine eigene Plattform und baut diese stetig aus. Interessant ist dort die ausgereifte Integration zwischen unterschiedlichen Geräten. Um vieles muss sich der Nutzer gar nicht mehr kümmern, wie z.B. den Internetzugang.

Cloud storage

Google, Apple, Amazon

Gerade hat S. Google Drive auf unserem Heimrechner installiert. Damit zieht Google jetzt ins Feld gegen unsere Dropbox- und iCloud-Nutzung. Microsoft bastelt an ihrem eigenen Dienst, bisher ohne Erfolg. Amazon währenddessen hat schon seit Jahren ihre Storage-Dienste für Profis angeboten und perfektioniert, was dazu führt, mächtig viele Dienste darauf unsere Daten ablegen, ohne dass wir es merken (siehe Dropbox).

Content on Demand

Apple, Amazon, Google

Musik wird über Apples iTunes Store und bei Amazon gekauft. Google und Microsoft sehe ich bisher noch nicht, ebensowenig Facebook. Was Video angeht, wollen Apples iTunes für Videos, Amazons Instant Video und Googles Play was vom Netflix-Speck. UGC findet bei Googles Youtube und auf Facebook statt.

Aus der Vogelperspektive

Diese Zeilen zu schreiben konnte ich aus dem Stegreif, was mich selbst etwas beängstigte. Beängstigend ist, dass es immer wieder die selben fünf Giganten sind. Das war noch vor ein paar Jahren anders.

Wenn ich mir das alles so im Schnelldurchlauf durch den Kopf gehen lasse, ist es schon beeindruckend, wie eng alles geworden ist. Das Internet und das Web sind kein Wilder Westen mehr. Die Grossen werden grösser, die Macht konzentriert sich. Und täglich finden Schlachten statt, auf allen Ebenen: vor Gericht, in den Medien, und vor allem beim Buhlen um den Nutzer durch die immer bequemeren Interfaces und Services.


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2012-09-19

(cc-by-sa) since 2005 by Konstantin Weiss.